Freitag, 25. August 2017

Zoff zwischen Marenave und Ernst Russ eskaliert

Die Marenave Schiffahrts AG lehnt die Anträge ihres Großaktionärs Ernst Russ AG (ehemals HCI Capital) zur Hauptversammlung am 15. September brüsk ab. Marenave sähe dadurch sogar das Sanierungskonzept für das angeschlagene Unternehmen in Gefahr.

Marenave-Vorstand Ole Daus-Petersen

Vorstand und Aufsichtsrat von Marenave empfehlen den Aktionären, den Antrag von Ernst Russ “in allen Teilen abzulehnen”, heißt es in einer Erklärung des Unternehmens. Andernfalls wäre das “bislang einzig aussichtsreiche, umfassende außerinsolvenzliche Sanierungskonzept (…) ernsthaft gefährdet”.

Die Ernst Russ AG, die mittlerweile 25,2 Prozent der Marenave-Aktien hält, will erreichen, dass ihr Vorstandssprecher Jens Mahnke den bisherigen Marenave-Aufsichtsrat Klaus Meyer ersetzt und des Gremium durch den Stuttgarter Rechtsanwalt und Unternehmensberater Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker auf vier Mitglieder erweitert wird.

Zudem verlangt Ernst Russ, den Katalog der unter Zustimmungsvorbehalt des Aufsichtsrats stehenden Geschäfte zu erweitern sowie eine erteilte Ermächtigung zur Ausgabe von Schuldverschreibungen aufzuheben und hat angekündigt, gegen eine von Marenave vorgeschlagene Kapitalherabsetzung zu stimmen.

Gespräche mit Ernst Russ abgebrochen

Marenave verweist in der Stellungnahme auf die abgeschlossene Restrukturierungs- und Enthaftungsvereinbarung sowie eine damit in Zusammenhang stehende Investorenvereinbarung mit der Offen Gruppe und der DEVK.

Entsprechende Gespräche mit Ernst Russ hätten bis zum Jahresende hingegen zu keinem Ergebnis geführt. “Bis zum heutigen Tage wurden keine weiteren Gespräche mit der Ernst Russ AG hierzu geführt und die Ernst Russ AG hat kein konkretes Sanierungskonzept vorgestellt”, so Marenave.

Es sei “nicht erkennbar, ob und gegebenenfalls welches strategische und finanzielle Konzept dem Antrag der Ernst Russ AG zugrunde liegt”, so die Erklärung weiter.

Aus der Sicht von Vorstand und Aufsichtsrat der Marenave seien “erhebliche Zweifel” daran begründet, “ob die Ernst Russ AG konstruktiv am Abschluss des außerinsolvenzlichen Sanierungsverfahrens der Gesellschaft mitwirken will”.

Es bestehe der Verdacht, “dass lediglich der eingeschlagene Weg der Gesundung der Gesellschaft aus Partikularinteressen und entgegen der Interessen der sonstigen Aktionäre und Stakeholder der Gesellschaft obstruiert werden soll.”

“Mögliche Blockade”

Hinsichtlich des Aufsichtsrats würden die Ansinnen von Ernst Russ dazu führen, “einen auf vier Personen vergrößerten Aufsichtsrat zur Hälfte mit von ihr selbst benannten Vertretern zu besetzen.” Im Ergebnis dürfte die Ernst Russ AG damit die “faktische Kontrolle der Gesellschaft anstreben”, so die Erklärung.

In Kombination mit den vorgeschlagenen Zustimmungsvorbehalten könne sich dies auch “in einer möglichen Blockade” wichtiger Entscheidungen äußern.

Auch die eventuellen künftigen Aufsichtsräte bekommen ihr Fett weg: “Es ist nicht ersichtlich, welche zusätzliche, derzeit fehlende Expertise oder Erfahrung Herr Dr. Hans Michael Schmidt-Dencker oder Herr Jens Mahnke zur Gremienarbeit beitragen könnten”, heißt es in der Erklärung des Marenave-Vorstands.

Foto: Marenave