Freitag, 16. Juni 2017

Buss will die Magellan-Container kaufen

Im Insolvenzverfahren um den Containeranbieter Magellan Maritime Services ist sich der Insolvenzverwalter mit einem Käufer des Containerbestandes einig. Die Anleger müssen noch zustimmen.

Der Insolvenzverwalter von Magellan Maritime Services hat die Verhandlungen über den Verkauf des Magellan-Containerportfolios erfolgreich abgeschlossen. Das teilte die Hamburger Kanzlei Reimer Rechtsanwälte von Insolvenzverwalter Peter-Alexander Borchardt heute mit.

Sofern die “deutliche Mehrzahl” der Anleger dem Verkauf zustimmt, zahlt die Buss Global-Gruppe aus Singapur einen Kaufpreis von 160 Millionen Euro – zuzüglich einer möglichen Erfolgsbeteiligung von 15 Millionen US-Dollar. Die schriftliche Abstimmung läuft mindestens bis zum 30. Juni. “Die ersten 100 Millionen Euro könnte ich bis Jahresende ausschütten”, sagt Borchardt. Magellan hatte im Juni 2016 Insolvenz angemeldet.

Anleger-Investitionsvolumen halbiert

Der Verkaufspreis plus Erfolgsbeteiligung entspreche in etwa der Hälfte des Gesamtinvestitionsvolumens der Magellan-Anleger von insgesamt rund 350 Millionen Euro. Inwieweit dem Verlust bereits vereinnahmte laufende Mieteinnahmen gegenüber stehen, ist der Mitteilung nicht zu entnehmen.

Bei den Verhandlungen mit sechs potenziellen Käufern habe der Insolvenzverwalter von weltweit zuletzt deutlich gestiegenen Preisen für Container sowie höheren Container-Leasingraten profitiert. “Dies hat unsere Verhandlungsposition sehr verbessert” sagt Borchardt. “Jetzt aber auf ein weiteres Anziehen der Preise zu spekulieren und den Verkauf mit völlig ungewissem Ergebnis hinauszuzögern, wäre grob fahrlässig.”

Das sagt der Gläubigerausschuss

Am Ende habe Buss nicht nur ein attraktives Angebot abgegeben, sondern auch als einziger von allen Interessenten einen soliden Finanzierungsnachweis geliefert. “Der Gläubigerausschuss steht uneingeschränkt hinter dem Verhandlungsergebnis und hat die Vereinbarung einstimmig bestätigt”, wird Rechtsanwalt Jörn Weitzmann, Sprecher des Magellan-Gläubigerausschusses, in der Mitteilung zitiert.

Allerdings setzt die Rechtswirksamkeit des Vertrags noch ein eindeutig positives schriftliches Abstimmungsergebnis unter den
Kapitalanlegern voraus. “Buss möchte sicherstellen, dass der Verkauf durch einen breiten Konsens getragen wird”, erläutert Borchardt.

Alternative: Einzelverkauf

Sollte die Abstimmung zu keiner eindeutigen Zustimmung führen, wird der Insolvenzverwalter die bestehenden Mietverträge mit den Reedereien bis zum Ende der Laufzeit fortführen und die Container danach einzeln verkaufen. Die Erlöse aus diesem Abwicklungsszenario betragen nach einer unverbindlichen Prognose 128 bis 178 Millionen Euro. Diese Berechnung habe die Wirtschaftsprüfungsgesellschaft Deloitte bestätigt.

Für Borchardt würde eine solche Abwicklung im Vergleich zu einem raschen Verkauf jedoch Nachteile für die Anleger bergen. “So würden die ersten Abschlagszahlungen erst im Jahr 2019 fließen. Zudem dürfte sich das Gesamtverfahren noch bis zu neun Jahre hinziehen”, so der Insolvenzverwalter.

Hinzu kämen erhebliche finanzielle Unwägbarkeiten, vor allem in Form von schwankenden Devisenkursen, unsicheren Containerverkaufspreisen sowie durch Insolvenzen von Reedereien als Mietvertragspartner. Wie real dieses Risiko ist, hätten beispielsweise die jüngsten Insolvenzen der Großreedereien Rickmers sowie von Hanjin aus Südkorea gezeigt. “Wir empfehlen den Anlegern daher, dem erzielten Verhandlungsergebnis zuzustimmen”, rät Gläubigerausschusssprecher Weitzmann.