Montag, 30. März 2015

Nur Augenhöhe reicht nicht

Der Vertrieb geschlossener Publikums-AIF läuft noch nicht rund. Vielleicht liegt das auch an dem Selbstverständnis der Branche. Der Löwer-Kommentar

Wo immer Vertreter geschlossener alternativer Investmentfonds (AIF) derzeit auftreten, stellen sie eines in den Vordergrund: Die Branche agiere nun „auf Augenhöhe“ mit anderen Finanzprodukten des „weißen“ Kapitalmarkts.

Dennoch beklagen nicht wenige, dass der Vertrieb in vielen Fällen noch nicht so recht laufe. Das war auf dem Fondsrating-Tag des Veranstalters Ratingwissen in der vergangenen Woche nicht anders. Wo aber hakt es?

Ohne Zweifel hat die Branche durch die Regulierung eine Aufwertung erfahren, und die Initiatoren – insbesondere aus dem Lager der privaten, inhabergeführten Häuser – können zu recht stolz auf ihre Zulassung als Kapitalverwaltungsgesellschaft (KVG) sein.

Alleinstellungsmerkmal notwendig

Doch das interessiert die Anleger nicht. Für sie ist nur entscheidend, warum sie ihr Geld ausgerechnet in diese Kapitalanlage investieren und dabei eine Laufzeit von meistens mindestens zehn Jahren in Kauf nehmen sollen. Nur die (regulatorische) Augenhöhe mit anderen, zumal etablierten Finanzprodukten reicht da nicht aus.

Jedes erfolgreiche Produkt braucht mindestens ein Alleinstellungsmerkmal, neudeutsch USP (Unique Selling Proposition). Was für Waschmittel, Toaster oder Autos gilt, ist bei Kapitalanlagen nicht anders.

USP der AIF ist in der Regel der individuelle und „anfassbare“ Sachwert sowie die Möglichkeit, auf Basis der realen wirtschaftlichen Aktivität eine konkrete Ergebnisprognose anstellen zu können. Das kann keine der anonymen Geldsammelstellen der restlichen Investmentwelt und keines der virtuellen Finanzprodukte bieten.

Trend zur Standardisierung

Und doch geht der Trend dahin, Objektfotos sowie Prognoserechnungen und damit genau diese Stärken aus den AIF-Prospekten zu verbannen. Sie sollen so aussehen wie im „weißen“ Kapitalmarkt üblich: Technische Enthaftungsdokumente, die kaum ein Anleger je zu Gesicht bekommt oder gar liest. Standardisierung sei das Gebot der Stunde, war auch der Tenor auch dem Fondsrating-Tag.

Sicherlich ist es notwendig, die Zeichnungsunterlagen so anzupassen, dass sie in die Vertriebsprozesse auch der Banken integriert werden können. Doch wenn die Gleichmacherei so weit geht, dass die Produkte austauschbar sind, dann werden sie vielleicht auch genau das: Ausgetauscht. Zum Beispiel gegen fungiblere offene Fonds oder kostengünstigere Zertifikate.

Seite 2: Mental noch nicht angekommen

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