Montag, 9. März 2015

Der „graue“ Markt wird kräftig aufgewertet

Ab sofort kommentiert G.U.B.-Chefanalyst Stefan Löwer jede Woche auf gub-analyse.de ein aktuelles Thema rund um Sachwertanlagen. Heute: Die erste Lesung des Kleinanlegerschutzgesetzes im Bundestag.

Laut dem in der vergangenen Woche veröffentlichen Protokoll der Sitzung vom 27. Februar begrüßten Vertreter aller Fraktionen das Gesetz, grundlegende Einwände brachte niemand vor. Das Gesetz wird wohl ohne große Widerstände verabschiedet werden.

Es verschärft die Regeln für Vermögensanlagen, die nicht unter das Kapitalanlagegesetzbuch (KAGB) fallen. Unter anderem sieht es eine gesetzliche Prospektpflicht auch für Nachrang- und partiarische Darlehen sowie bestimmte Direktinvestitonen vor, erweitert die Dokumentationspflichten und räumt der BaFin ein generelles Mandat ein, bei Missständen eingreifen zu können.

Markt außerhalb des KAGB bleibt relevant

Die Bundesregierung unterstreicht damit, dass auch dieser Bereich des Kapitalmarkts weiterhin gewollt ist und wertet ihn durch die höheren Ansprüche und die schärfere Kontrolle kräftig auf.

Auch wenn das Segment wahrscheinlich weiterhin als „grau“ verunglimpft wird, ist damit die Basis dafür gelegt, dass hier ein durchaus relevanter Markt verbleibt oder sogar neu wächst – einschließlich unternehmerischer Kommanditbeteiligungen, die nicht vom KAGB erfasst werden.

Selbst der Bundesverband Sachwertanlagen und Investmentvermögen (BSI), der grundsätzlich eine einheitliche Regulierung für alle Publikumsfonds fordert, steht dem Gesetz offenbar nicht mehr ablehnend gegenüber.

BSI-Chef Porr: „Der richtige Weg“

„Ich glaube, dass das Kleinanlegerschutzgesetz schon der richtige Weg ist. Nicht im Detail richtig, aber in der Richtung“, sagte der BSI-Vorsitzende Oliver Porr im Interview, das vergangene Woche in dem Cash.Special „Rendite Plus – Investments in Sachwerte“ erschienen ist.

Alles easy also? Nicht ganz. Die neuen Dokumentationspflichten und die Begrenzung der Prospektgültigkeit auf ein Jahr stellen die Anbieter durchaus vor Herausforderungen, die Vorschläge des Bundesrats sind noch nicht endgültig vom Tisch und eine Reihe von Details sind noch offen oder strittig. Das betrifft vor allem die Definition, welche Containerinvestments und weiteren Direktanlagen künftig unter das Vermögensanlagengesetz fallen sollen.

Der Gesetzentwurf ist hier schwammig und die Bafin hat angekündigt, über die Einstufung gegebenenfalls im Einzelfall zu entscheiden – eine enorme Rechtsunsicherheit für die betroffenen Anbieter und Vertriebe. In der Bundestagsdebatte spielten die Direktinvestments keine Rolle, aber eine Präzisierung ist hier dringend erforderlich.

Seite 2: Einige Kuriositäten

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