Dienstag, 7. April 2015

AIF-Vertrieb: Na bitte, es geht doch!

Mitten in das Lamento über den schleppenden Vertrieb von Publikums-AIF platzte vergangene Woche die Meldung über die Vollplatzierung des Hahn Pluswertfonds 163. Der Löwer-Kommentar

Immerhin 22 Millionen Euro Anlegerkapital sammelte die Unternehmensgruppe Hahn aus Bergisch-Gladbach innerhalb weniger Wochen seit dem Vertriebsstart Ende Januar für den Fonds ein.

An sich wäre das keine besonders große Meldung, zumal Hahn für zügige Platzierungen bekannt ist. Doch derzeit berichten auch etablierte Häuser über schwierige Absatzbedingungen für ihre alternativen Investmentfonds (AIF), über skeptische Vertriebspartner und bockige Anleger. Da lässt die Hahn-Meldung aufhorchen: Na bitte, es geht doch! Aber warum?

Der Fonds ist schnell erzählt: Bestehendes Einkaufszentrum vor den Toren Hamburgs, praktisch voll vermietet, bekannte Hauptmieter wie Edeka und C&A, Auszahlungsprognose über fünf Prozent jährlich, langjährig auf dieses Marktsegment spezialisierter Initiator. Sicher nicht die schlechtesten Voraussetzungen für einen Platzierungserfolg.

Prospekt nach IDW-Standard

Doch auch andere AIF haben eine hohe Qualität. So rätselt auch der Fachjournalist Markus Gotzi in seinem jüngsten „Fondsbrief“, warum der Hahn-Fonds im Vertrieb gut lief und andere nicht.

Vielleicht spielte der Prospekt eine Rolle. Er orientierte sich nach eigenen Angaben an dem Entwurf für die Neufassung des Wirtschaftsprüferstandards IDW S4 vom Dezember 2013, der weit über das KAGB hinausgeht.

IDW-Standard heißt unter anderem: Verständliche Vorabdarstellung der wesentlichen Aspekte, detaillierte Prognoserechnung mit Sensitivitätsanalyse, Angaben zur Leistungsbilanz. Zudem enthielt der Hahn-Prospekt eine Reihe von Grafiken und Bildern, darunter allein fünf ganzseitige Objektfotos. Alles von der BaFin akzeptiert.

Hahn hadert nicht

Optisch und inhaltlich kam er damit den früheren Prospekten geschlossener Fonds wesentlich näher als den freudlosen Enthaftungsdokumenten der restlichen „weißen“ Welt, die nicht wenige als Vorbild auch für die AIF-Branche ansehen.

Doch Hahn hadert nicht mit der Vergangenheit, sondern baut darauf auf und glaubt an die eigenen Stärken.

Natürlich wäre es Spekulation, welchen Anteil die Prospektgestaltung an dem Platzierungserfolg gehabt haben mag und ob der Fonds nicht auch mit einem „nackten“ KAGB-Dokument schnell Anleger gefunden hätte. Geschadet jedenfalls hat diese Art der Anleger-Information offenkundig nicht.

 

Stefan Löwer ist Chefanalyst von G.U.B. Analyse und beobachtet den Markt der Sachwertanlagen als Cash.-Redakteur und G.U.B.-Analyst schon seit mehr als 20 Jahren. G.U.B. Analyse gehört wie Cash. zu der Cash.Medien AG.