Freitag, 30. Juni 2017

PRIIPs: Kommt die KID-Pflicht am Zweitmarkt?

Am Fonds-Zweitmarkt droht Ungemach – einmal mehr durch Regulierung. Die Pflicht, ein Informationsblatt zu erstellen, könnte den Markt lahmlegen.

Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse, sieht Probleme vor allem für Altfonds

Derzeit steht im Raum, dass bei dem Verkauf an Privatanleger ab Anfang 2018 auch im Zweitmarkt für jeden Fonds ein Produktinformationsblatt (Key Information Document, kurz: KID) nach der EU-Verordnung über “verpackte” Investment- und Versicherungsprodukte (PRIIPs) zu erstellen ist.

Das würde den öffentlichen Handel enorm behindern. “Für AIF dürfte die Erstellung eines PRIIPs-KID kein besonderes Problem darstellen, zumal die jährliche Ermittlung des Nettoinventarwerts für sie ohnehin vorgeschrieben ist”, sagt Alex Gadeberg, Vorstand der Fondsbörse Deutschland Beteiligungsmakler AG.

Problematische Altfonds

Wesentlich problematischer sei das Thema für ‚Altfonds‘, die vor dem Inkrafttreten des KAGB aufgelegt wurden. “In diesen Fällen ist schon unklar, wer das KID überhaupt erstellen müsste und wer die Kosten dafür trägt”, so Gadeberg.

Vor allem mit der Berechnung von komplexen Rendite-Szenarien und Benchmarks, die in der PRIIPs-Verordnung vorgesehen sind, wären viele Geschäftsführungen oder Verwalter älterer Fonds vollkommen überfordert.

Denkbar wäre in diesen Fällen allenfalls ein abgespecktes KID mit den Eckdaten des Fonds sowie Informationen zu dem jüngsten Jahresabschluss und der aktuellen Entwicklung, sagt Gadeberg.

Vom Verkauf an Privatanleger ausgeschlossen

Noch ist die Sache nicht entschieden, doch nach derzeitigem Stand sind Fonds ohne PRIIPs-KID künftig vom öffentlichen Zweitmarkt und dem Verkauf an Privatanleger ausgeschlossen.

Verkaufswillige Anleger sind dann allein auf die Zweitmarktfonds und weitere professionelle Aufkäufer angewiesen und haben auch keine öffentlichen Vergleichswerte mehr. “Was das mit Anlegerschutz zu tun haben soll, erschließt sich mir nicht”, sagt Gadeberg.

Ein Blick auf die Handelsliste der Fondsbörse belegt, dass sich in Bezug auf das Handelsvolumen auf den vorderen Plätzen hauptsächlich Fonds von Initiatoren finden, die wahrscheinlich in der Lage wären, ein KID zu erstellen.

Enorme Behinderung des Zweitmarkts

Ob darunter vor allem jene Unternehmen, die wie etwa Fundus, DG Anlage (heute DZ Bank) oder MPC Capital nicht mehr im Erstmarkt aktiv sind, dazu auch willens sind, bleibt abzuwarten.

Die KIDs-Pflicht würde den öffentlichen Zweitmarkt also voraussichtlich nicht vollkommen lahmlegen, ihn aber enorm behindern und die Transparenz, die der öffentliche Handel trotz des überschaubaren Volumens ohne Zweifel bringt, erheblich zurückdrehen.

So oder so: Noch mindestens bis zum Jahresende bleibt Privatanlegern Zeit, ihre Anteile ohne diese Einschränkungen über die öffentlichen Plattformen zu veräußern oder sich dort als Käufer zu engagieren.

Ob dies auch künftig so bleibt oder ab 2018 vielfach nur der Weg über die Zweitmarktfonds und -konzepte möglich sein wird, das ist heute noch offen.

Dieser Text ist bereits als Teil eines Artikels in der Cash.-Ausgabe 6/2017 erscheinen.

Foto: Fondsbörse

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