Donnerstag, 24. Mai 2018

P&R: Schlimmer geht’s nimmer

Der Skandal um den Containeranbieter P&R erreicht ein Ausmaß, das alle vorherigen Befürchtungen bei Weitem übertrifft. Der Löwer-Kommentar

„Das schlägt dem Fass nun wirklich den Boden aus.“

GAU ist die Abkürzung für „größter anzunehmender Unfall“ und stammt ursprünglich aus dem Bereich der Kernkraftwerke. Ein Super-GAU ist demnach eine Havarie, die vollkommen außer Kontrolle geraten ist.

„P&R wird endgültig zum Super-GAU“: So war der Löwer-Kommentar vom 30. April überschrieben. Gerade hatten nach den ersten drei auch die beiden verbliebenen deutschen Gesellschaften des Container-Anbieters P&R aus Grünwald Insolvenz angemeldet, eine davon die P&R Transport-Container GmbH.

Sie war eigens für die Emissionen ab 2017 gegründet worden, die – anders als die vorherigen – der gesetzlichen Prospektpflicht nach dem Vermögensanlagengesetz unterlagen; die Prospekte waren noch bis Anfang 2018 von der Finanzaufsicht BaFin geprüft und gebilligt worden.

Eine Million Container fehlen

Damit war auch die Hoffnung dahin, dass die staatliche Kontrolle irgendeinen positiven Effekt hat – mit entsprechenden (Image-) Auswirkungen für die gesamte Branche der Vermögensanlagen. Streng genommen war das jedoch noch die Kategorie GAU. Aber viel schlimmer kann es eigentlich kaum kommen, so die Einschätzung vor drei Wochen.

Doch, es kann: Am Donnerstag vor Pfingsten teilte der vorläufige Insolvenzverwalter mit, dass von den 1,6 Millionen Containern, die den Anlegern eigentlich gehören müssten, nur etwa 600.000 überhaupt vorhanden sind. Es gibt also rund eine Million Phantom-Container – fast zwei Drittel des vermeintlichen Bestands.

Und das nicht erst seit gestern. Vielmehr begann die Fehlentwicklung laut der Stellungnahme des Insolvenzverwalters schon vor mehr als zehn Jahren. Bereits im Jahr 2010 fehlten demnach rund 600.000 Container. Das schlägt dem Fass nun wirklich den Boden aus.

Seite 2: Das Ganze hatte wohl System

Weiter lesen: 1 2 3